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Predigt am 10. Dezember 2017 (3. Advent) (Danke, Friedrich Mildenberger!):
Zitate aus: The Times, they are a-changin‘(Bob Dylan)

Unruhige Zeiten

Es bahnt sich etwas an. Unruhige Zeiten. Merkwürdige Zeichen.

Kommt, Leute, schart euch zusammen, wo auch immer ihr seid.
Erkennt, dass das Wasser um euch herum angestiegen ist
Gebt zu, ihr werdet bald durchnässt sein bis auf die Knochen.
Wenn euch eure Zeit etwas wert ist,
dann fangt besser an, schwimmen zu lernen,
sonst sinkt ihr wie Steine.
Denn: es kommen andere Zeiten!
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 Es bahnt sich etwas an. Etwas Großes. Unaufhaltsames.

Und es schickt seine Boten. Lukas zählt sie auf.

Erst die Mächtigen in der Regierung: Tiberius, Pontius Pilatus, Herodes und seine Brüder, die sich das Land, das ihr Vater noch allein regiert hat, nun teilen müssen – untereinander und mit den Römern, die ihnen längst diktieren, was sie tun dürfen und was nicht. Andere Zeiten als damals, als noch Augustus herrschte und Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Andere Sitten auch.

Vielen steht das Wasser längst bis zum Hals. Sie können die Steuern nicht mehr zahlen, sich die Zölle nicht mehr leisten. Die Frauen und die Alten trauen sich kaum aus dem Haus, weil überall Soldaten sind und man nie wissen kann, ob man wieder gesund nach Hause kommt.

Man liest die Zeichen am Himmel und in der Natur. Wird die Ernte gut genug ausfallen, um zuhause alle satt zu machen, wenn erst der Hunger der Mächtigen bedient ist? Reicht es für ein kleines Glück? Oder stehen die Zeichen auf Sturm?

Urteilt nicht vorschnell,
denn noch dreht sich das Rad.
Und keiner kann sagen,
wen es nach oben bringt.
Der jetzt ganz unten ist,
wird später Sieger sein.
Denn: es kommen andere Zeiten!

 Der Prophet der Veränderung

Da bahnt sich etwas an. Und Johannes ist dafür das Zeichen.

Aus der Wüste kommt er. Den felsigen Schluchten, tief eingegraben ins Gestein, unwirtlich und fremd. Dort hat Gott ihn gefunden und beauftragt. Und nun zieht er durchs Land, den Jordan entlang. Die Amtstracht der Priester lehnt er ab, die ihm doch zustünde als Sohn des Zacharias. In das weiße Gewand mit goldener Bordüre lässt er sich so wenig stecken wie Bob Dylan in den Frack der Nobelpreisträger. Seine Verweigerung setzt Zeichen. Zeigt, dass sich etwas anbahnt. Weckt die Aufmerksamkeit für das, was er sagt und tut in diesen unruhigen Zeiten.

Die Leute sehen: Es bahnt sich etwas an.

Sie erinnern sich an die alten Worte. Dass aus der Wüste Gott selbst kommen wird. Wenn aus den Schluchten ebene Straßen wurden. Wenn kein Hügel mehr die Sicht versperrt. Wenn unten und oben vertauscht wurden. Dann zieht Gottes Zeit herauf.

Dann es ist wichtig, dabei zu sein.

Und deshalb kommen sie. Durchqueren selbst die Wildnis, aus der Johannes kam. Strömen zum Jordan mit seinem schmalen Streifen grüner Landschaft zwischen Wüste und Wasser. Lassen sich von Johannes die Leviten lesen. Eintauchen ins Wasser. Aufrichten und Herrichten.

Denn was sich anbahnt, kommt von Gott.

Und es ist wichtig, dabei zu sein. Auf der richtigen Seite. Auf dem richtigen Weg. Dafür kommen sie. Alle.

Die Frommen und Gottesfürchtigen, die Fleißigen und Gerechten ebenso wie die, die sich immer so ein bisschen durchgemogelt haben. Reiche und Arme, Prominente und Unbekannte, Frauen und Männer. Die Kollaborateure sind auch dabei, die, die an den unruhigen Zeiten verdienen. Und sogar die Fremden. Die Soldaten des Kaisers, zusammengewürfelt aus aller Herren Länder zu einer großen Armee, beauftragt, für Ruhe zu sorgen in unruhigen Zeiten, und den römischen Frieden zu erhalten – notfalls mit Gewalt.

Sie alle spüren, dass der Wind sich dreht. Spüren, dass sich etwas anbahnt, dass andere Zeiten kommen – und dass das, was da kommt, größer ist als die üblichen Veränderungen. Es kommt von Gott. Er selbst kommt. Und dann wollen sie auf der sicheren Seite sein. Bei ihm.

Klug wie die Schlangen

Das ist doch eigentlich sehr klug gedacht. Sie haben gut aufgepasst, die Leute. Haben nicht gezögert, aufzubrechen und sind sich nicht zu fein gewesen für diesen schäbigen Propheten und sein seltsames Ritual. Das müsste doch reichen. Oder?

Doch Johannes durchschaut sie: „Schlangen seid ihr!“ Wollt besonders schlau sein. Euch so durchschlängeln, einfach die alte Haut abstreifen und so tun, als ob nie etwas gewesen wäre.

Aber eure Klugheit wird euch nichts helfen. Hier geht es nicht nach euren Regeln.

Was sich da anbahnt, das ist größer als ihr es euch ausrechnen könnt. Gott selbst kommt. Als Heiland und Erlöser, als Richter und Herrscher der Welt. Er bahnt sich den Weg, der für ihn passt. Und er sucht sich die, die er dafür brauchen kann.

Es gibt kein natürliches Vorrecht. Keine Gnade der späten Geburt, keine Privilegien aufgrund von Rasse, Herkunft oder Geschlecht. Gott bestimmt, wer dabei ist. Und alle sind darauf angewiesen, dass er sie her-richtet.

Was also tun? Fragen die Leute. Fragen wir uns in diesen unruhigen Zeiten, in denen wir heute leben, in denen nicht mehr Argumente zählen, sondern Gefühle – „postfaktisch“ ist das Wort des Jahres – und in denen nichts sicher ist außer der Unsicherheit.

Die Linie ist gezogen,
der Fluch ist gesprochen.
Wer heute noch gekrochen,
der kommt morgen geflogen.
Was heute noch gilt,
das hat morgen verspielt.
Die Ordnung ändert sich
und kommt rasch ins Gleiten.
Wer heute der Erste ist,
wird bald schon der Letzte sein.
Denn: Es kommen andere Zeiten!

 Die Bahn bereiten

Die Welt ist in Aufruhr. Es bahnt sich etwas an. Wir wollen dabei sein, auf der richtigen Seite. Wir wollen bei Gott sein, wenn es passiert. Was sollen wir tun?

Ganz einfach, sagt Johannes. Tut, was ihr tun sollt. Nicht mehr und nicht weniger. Teilt. Damit alle genug zum Leben haben, damit die Schere nicht noch weiter aufgeht, sondern die Kluft sich schließt. Damit die Täler aufgefüllt werden, die uns voneinander trennen, und die Hügel abgetragen werden, die von wenigen aufgehäuft wurden.

Zeigt durch euer Verhalten, dass ihr es ernst meint. Haltet euch an die Regeln. Reizt eure Möglichkeiten nicht aus. Missbraucht nicht eure Macht. Sie ist ja doch nur geliehen. Hört auf mit diesem Spiel der Abhängigkeiten, in dem der Betrug zum System gehört. Rückt das Krumme gerade. Handelt recht. So helft ihr mit, dem Heiland die Bahn zu bereiten.

Hört auf, euch durchschlängeln zu wollen. Sondern übt den aufrechten Gang. Auch wenn er durch die Wüste führt, in schwieriges Gelände. Denn dort könnt ihr Gott begegnen.

Er richtet sich die Leute zurecht. Er weiß, wer sie sind und kennt ihre Namen. Er hat sie aus dem Wasser gezogen und will sie nicht mehr von seiner Seite lassen.

Kommt, Mütter und Väter, aus dem ganzen Land.
Und lehnt nicht ab, was ihr nicht versteht.
Eure Söhne und Töchter stehen nicht unter eurem Befehl.
Eure alten Wege zerbröckeln in Windeseile.
Macht bitte Platz für die neuen, wenn ihr nicht helfen könnt.
Denn: Es kommen andere Zeiten.

Gott wird ein Neues schaffen. Er macht sich Bahn in unruhigen Zeiten. Er kommt mit Macht. Und wir wollen dabei sein. An seiner Seite. Amen.

 

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