Let’s have a party…

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Predigt zu Johannes 2,1-11 (Jesus auf der Hochzeit zu Kana) für den 17. Januar 2021 ( 2. Sonntag nach Epiphanias) in der Stadtkirche Böblingen

Die Predigt wurde nicht im Gottesdienst gehalten, weil erfreulicherweise so viele Konfirmand_innen anwesend waren, dass ein spontanes Predigtgespräch sinnvoller schien. Herzlichen Dank allen, die sich daran beteiligt haben!

Bild: yosr01Pixabay

Appell-Ohr

„Sie haben keinen Wein mehr“ Ich wüsste ja gerne, in welchem Ton Maria das gesagt hat.

Etwa so, wie Mütter oder Ehefrauen schon mal feststellen, dass die Lampe im Flur kaputt ist oder am nächsten Tag der Biomüll abgeholt wird? „Das Kaminholz muss noch aufgeschichtet werden.“ Aha. Kommt als Aussagesatz daher, ist aber eigentlich eine Aufforderung, was man daran merkt, dass die Stimme am Ende leicht hochgeht. Vielleicht sogar mit dem ungeduldigen Unterton, mit dem Mütter sagen können: „Du schreibst morgen eine Klassenarbeit“ – heißt: Setz dich jetzt endlich hin und lerne. Bring den Müll raus. Staple das Holz und wechsle die Birne aus.

„Sie haben keinen Wein mehr.“ Kümmere dich, Jesus. Mach mal.

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Tut, was den Unterschied macht…

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Gedanken zur Jahreslosung 2021 (Lk 6,36) am 1. Januar 2021 (Neujahr) in der Stadtkirche Böblingen

  • Als Schriftlesun

(Danke, Stefanie Bahlinger, Bettina Schlauraff, Heinrich Bedford-Strohm)

Was ist das eigentlich – Barmherzigkeit?

Eine liebe Kollegin hat dazu vor ein paar Tagen eine Umfrage gestartet (in einer Predigtgruppe auf Facebook). Sie wollte konkrete, zeitgemäße Beispiele dafür sammeln, solche, mit denen Menschen heute etwas anfangen können. Denn: So bekannt die Worte Jesu sind – wir wissen oft nicht mehr, was es damit auf sich hat. Wenn er zum Beispiel fordert, jemandem zum Mantel auch noch den Rock zu geben oder (wie es in der Parallelstelle der Bergpredigt heißt) ihn zwei Meilen zu begleiten statt einer – dann geht’s da nicht um die „Extrameile mehr“, die zu den Softskills moderner Dienstleistung gehört. Wer damals aufgefordert wurde, diese Strecke mitzugehen, der spürte vielmehr Gewalt: einen Israeliten auffordern, ihren Weg mitzugehen und dabei – das ist mitgedacht – auch noch das schwere Gepäck des anderen zu tragen, das durften nur die Angehörigen der Besatzungsmacht, die Römer. Und die durften auch Mäntel einfordern. Oft wird da Willkür mit im Spiel gewesen sein statt echter Not. Und Wut und Ohnmacht auf der anderen Seite und das Bedürfnis, diesem Zwang so schnell wie möglich zu entgehen.

Aber Jesus sagt: Tut es. Und tut mehr, als man von euch verlangt. Denn das macht den Unterschied aus. Den Unterschied zwischen denen, die noch im alten Denken festhängen – und denen, die ahnen, wie es im Himmel ist. Und wie das heute konkret werden kann, das war die Frage….

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Umweg ins Gelobte Land

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Predigt über Exodus 13, 17.18.20-22 am 31. Dezember 2020 (Silvester) in der Stadtkirche Böblingen

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2020 wird mir in Erinnerung bleiben als ein Jahr, in dem vieles nicht möglich war, was mir wichtig ist und was ich brauche, um mich wohlzufühlen. Regelmäßig schwimmen gehen zum Beispiel. Oder Konzerte besuchen. Laut singen – auch im Gottesdienst. Ach, Sie kennen die ganze Liste!  

Es gibt aber auch ein paar wenige Dinge, auf die ich 2020 leicht und gern verzichtet habe – und die haben alle mit Menschenansammlungen zu tun. Solchen wie in der S1 nach Cannstatt, wenn der VfB ein Heimspiel hat. Oder den dauerknipsenden Reisegruppen auf dem Tübinger Marktplatz oder auf der Neckarbrücke vor dem Postkartenpanorama mit Hölderlinturm und Stiftskirche. Ganze Busladungen schieben sich an normalen Sommertagen durch die Altstadt und erschweren denen das Vorankommen, die wirklich «nur» etwas erledigen wollen. Und selbst haben sie oft auch nicht viel von solchen Touren, das weiß ich aus eigener Erfahrung.

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Wunderkinder (Happy Birthday, Greta!)

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Predigt über Lk 2, 41-52 am 3. Januar 2021 (2. Sonntag nach dem Christfest) in der Stadtkirche Böblingen

Danke, Eckhart Böhm! – und zwar für den Hinweis auf Greta Thunbergs 18. Geburtstag am 3. Januar 2021… und für das tolle Orgelnachspiel, das die Melodie von „Pippi Langstrumpf“ meisterlich mit „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ (EG 70) verband…

«Ach, sie werden ja so schnell groß!» So seufzt die Wirtin in unserem Krippenspiel ein bisschen altklug und doch weise. Wie schnell die Zeit vergeht, wenn Kinder heranwachsen. Eben noch ganz frisch geschlüpft, kommen sie schon in die Schule und während sie sich das erste Mal verlieben, denken die Eltern noch: «Ich hab ihr doch gestern erst gezeigt, wie man eine Schleife bindet…»

So schnell kann es gehen… aber so schnell wie bei Lukas auch wieder nicht: Gerade erst lag das Kind in der Krippe, haben es die Eltern in den Tempel gebracht zu Simeon und Hanna… und noch bevor wir die Geschichte von den Weisen hören, die noch unterwegs sind zum Stall (freilich in der Version des Markus), da begegnet uns schon diese Anekdote vom 12jährigen Jesus mit seinem deutlich pubertären Verhalten.

Halt! Nicht so schnell! Weihnachten ist doch noch nicht vorbei! Will ich rufen. Da stolpere ich beim Lesen über ein paar Ungereimtheiten der Geschichte. Und bekomme Zweifel an ihrer Echtheit.

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Mut zum Weihnachtslockdown

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„…ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.“

(Th. Fontane: John Maynard)

„Und bis Weihnachten sind es noch 14 Tage genau von heute. 14 Tage. Und wir müssen alles tun, um nicht wieder in ein exponentielles Wachstum zu kommen.“ Der Appell von Bundeskanzlerin Angela Merkel war ebenso emotional wie klar und wissenschaftlich begründet. Die Leopoldina, das wissenschaftliche Beratergremium der Regierung, hatte eindeutige Empfehlungen veröffentlicht, den „letzten Warnschuss der Wissenschaft“, wie der Virologe Christian Drosten kommentierte. Noch 14 Tage bis Weihnachten. Noch 20 Minuten bis Buffalo.

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Was will das werden?

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Predigt am Pfingstsonntag, 31.05.2020 in der Stadtkirche Böblingen über Apostelgeschichte 2, 1-13:

Schüttelbild

Was will das werden? So fragen sie. Angesichts des Durcheinanders an Worten und Sprachen, an Informationen. Zu viel auf einmal. Zu wenig strukturiert. Zu wenig Ordnung.

Was will das werden? Erst mal schauen. Erst mal sacken lassen. Und nicht sofort abtun. „Die sind ja betrunken“. Sagen die einen. Und drehen sich weg. Zu kompliziert. Zu hoch. Also her mit der einfachen Antwort: Das ist der Alkohol… Weg damit…IMG_0596

So, wie wir manches einfach aus Versehen in den Papierkorb werfen, weil wir nicht wissen, was darin steckt. Der Rote Vogel zum Beispiel – der wäre unter Umständen nie zum Vorschein gekommen. Und erst recht nicht Filmstar geworden. Denn beim Kantatengottesdienst hat er tatsächlich Fans gefunden… und heute, an Pfingsten, spreizt er wieder vergnügt seine Federn.

Dabei stand auch hier am Anfang die Frage: „Was will das werden?“ „Schüttelbild“ nennt man die Technik. Dabei wird Tusche auf ein Blatt aufgebracht. Gekleckst, wenn man so will. Und dann nimmt man es und bewegt es ein bisschen, so dass die Farbe verläuft, und dann – ja dann muss man herausfinden, was daraus werden will. Weiterlesen

Geh in dein Zimmer!

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Predigt am Sonntag Rogate, 17. Mai 2020 in der Stadtkirche Böblingen
nach 2 Monaten Corona-Pause über Matthäus 6, 5-13

Grundrechte

Beten in der Öffentlichkeit: was war das für ein Thema in den letzten Wochen! Was wurde nicht diskutiert, gestritten, sogIMG_0302ar vor Gericht gezogen dafür, wieder in der Kirche zusammenzukommen und zu feiern. Wir haben verhandelt, Zugeständnisse gemacht und selbst wissenschaftliche Studien in Auftrag gegeben. Wir haben gemessen und geräumt, geschraubt und montiert und Markierungen auf die Straße geklebt, wie die Einzelhändler, mit denen wir uns plötzlich verglichen haben. Wir haben uns empört – und leise geweint. Sehnsucht gehabt. Die Tage gezählt…uns darauf gefreut, trotz allem.

Und nun sind wir wieder hier, endlich. Mit Mundschutz und Desinfektionsmittel, nummerierten Plätzen und auf Abstand, verzichten auf eigenen Gesang (aber dürfen einer schönen Stimme lauschen), auf das Abendmahl und auf jede Berührung – bringen Opfer –

und Jesus schickt uns zurück in unsere Kammern! Was für eine Pointe! Der Herr, nach dem wir uns sehnten, sagt: Hier nicht! Nicht öffentlich. Sondern allein. In Quarantäne. So sollt ihr beten!

……… Weiterlesen

Der Traum und der Tod

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Predigt über Psalm 126 am 24.11.2019 (Ewigkeitssonntag)
in der Stadtkirche Böblingen

Schlafes Bruder

Manchmal, wenn ich träume, kommt der Tod. Schleicht sich hinein in die Geschichten, die sich in meinem Kopf abspielen, so selbstverständlich wie es die Geräusche tun, die von der Straße herauf durchs Fenster an mein Ohr kommen, übernimmt die Handlung oder tarnt sich hinter phantastischen Geschichten.IMG_1974(1)

Dann träume ich. Träume von seltsamen Landschaften oder Hohlwegen im Wald. Träume von denen, die lange schon tot sind. Träume mich selbst in ihre Welt.

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Geschenkt ist nicht zu teuer

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Predigt am 30. Juni 2019 (2. Sonntag nach Trinitatis) in der Stadtkirche Böblingen über Jesaja 55, 1-5 / Schriftlesung: Johannes 12, 1-8

Sonderangebot
art blur cappuccino close upWer etwas zu verkaufen hat, wer etwas unter die Leute bringen will, der schaut sich seine Zielgruppe gut an: Was brauchen die? Wovon träumen sie? Wieviel sind sie bereit, dafür herzugeben? – Simple Gesetze des Marktes: wer das Besondere liebt, ist bereit, dafür mehr zu investieren: mehr Geld oder eine weitere Anreise. Wer vergleichbare Produkte angeboten bekommt, kauft da, wo sie am billigsten sind – oder wo er zusätzlich profitiert: Wenn während meines Einkaufs im Laden draussen jemand meinen Wagen wäscht, wenn ich bis zur Kasse vorfahren kann oder was sonst wichtig ist, dann darfs ein bisschen teurer sein.

 

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Die Wahrheit erkennen

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Predigt zu Johannes 19, 16-30 am Karfreitag 2019 in der Stadtkirche Böblingen

NotreDame kreuz

Behauptungen

Am Ende streiten sie noch einmal um Begriffe. Pilatus und die Priester. Als ob es jetzt noch darauf ankäme. Jetzt, wo Jesus am Kreuz hängt, wo es sich nur noch um Stunden handelt, bis sie ihn endlich los sind, diesen komischen Heiligen mit seinen anstrengenden Fragen und seiner eigenen Wahrheit. So groß ist ihr Hass, dass sie es nicht dabei belassen können. Sie brauchen mehr. Brauchen die totale Vernichtung. Erst dann sind sie zufrieden.

Und Pilatus?!? Was reitet ihn eigentlich? Wie groß muss seine Wut sein, dass er den Priestern diesen Tort tut? Wie sehr ist ihm das Gespräch mit Jesus noch nachgegangen, dieser Diskurs zum Thema „Wahrheit“? Pilatus, der alte Skeptiker, hatte sich das alles angehört, was ihm Jesus über Gottes Wahrheit erzählte. Und dann doch bezweifelt, dass es das überhaupt geben kann, „Wahrheit“. Weiterlesen