Der Traum und der Tod

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Predigt über Psalm 126 am 24.11.2019 (Ewigkeitssonntag)
in der Stadtkirche Böblingen

Schlafes Bruder

Manchmal, wenn ich träume, kommt der Tod. Schleicht sich hinein in die Geschichten, die sich in meinem Kopf abspielen, so selbstverständlich wie es die Geräusche tun, die von der Straße herauf durchs Fenster an mein Ohr kommen, übernimmt die Handlung oder tarnt sich hinter phantastischen Geschichten.IMG_1974(1)

Dann träume ich. Träume von seltsamen Landschaften oder Hohlwegen im Wald. Träume von denen, die lange schon tot sind. Träume mich selbst in ihre Welt.

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Geschenkt ist nicht zu teuer

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Predigt am 30. Juni 2019 (2. Sonntag nach Trinitatis) in der Stadtkirche Böblingen über Jesaja 55, 1-5 / Schriftlesung: Johannes 12, 1-8

Sonderangebot
art blur cappuccino close upWer etwas zu verkaufen hat, wer etwas unter die Leute bringen will, der schaut sich seine Zielgruppe gut an: Was brauchen die? Wovon träumen sie? Wieviel sind sie bereit, dafür herzugeben? – Simple Gesetze des Marktes: wer das Besondere liebt, ist bereit, dafür mehr zu investieren: mehr Geld oder eine weitere Anreise. Wer vergleichbare Produkte angeboten bekommt, kauft da, wo sie am billigsten sind – oder wo er zusätzlich profitiert: Wenn während meines Einkaufs im Laden draussen jemand meinen Wagen wäscht, wenn ich bis zur Kasse vorfahren kann oder was sonst wichtig ist, dann darfs ein bisschen teurer sein.

 

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Die Wahrheit erkennen

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Predigt zu Johannes 19, 16-30 am Karfreitag 2019 in der Stadtkirche Böblingen

NotreDame kreuz

Behauptungen

Am Ende streiten sie noch einmal um Begriffe. Pilatus und die Priester. Als ob es jetzt noch darauf ankäme. Jetzt, wo Jesus am Kreuz hängt, wo es sich nur noch um Stunden handelt, bis sie ihn endlich los sind, diesen komischen Heiligen mit seinen anstrengenden Fragen und seiner eigenen Wahrheit. So groß ist ihr Hass, dass sie es nicht dabei belassen können. Sie brauchen mehr. Brauchen die totale Vernichtung. Erst dann sind sie zufrieden.

Und Pilatus?!? Was reitet ihn eigentlich? Wie groß muss seine Wut sein, dass er den Priestern diesen Tort tut? Wie sehr ist ihm das Gespräch mit Jesus noch nachgegangen, dieser Diskurs zum Thema „Wahrheit“? Pilatus, der alte Skeptiker, hatte sich das alles angehört, was ihm Jesus über Gottes Wahrheit erzählte. Und dann doch bezweifelt, dass es das überhaupt geben kann, „Wahrheit“. Weiterlesen

Widerwillig und doch gern…

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Predigt über Jeremia 20, 7-11a
3. Sonntag der Fastenzeit (Okuli) – 24. März 2019
Stadtkirche Böblingen

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Elternabend. Sie wissen schon… Anstrengend. Lang. Zermürbend. Am Ende sind es immer dieselben, die sich breitschlagen lassen. Weil es ja jemand machen muss. Und weil alle nach Hause wollen. Und weil es doch schade wäre, wenn es nicht klappen würde mit dem Ausflug, der Klassenfeier, dem Schulfest. Weil die Kinder es doch gut haben sollen. Weil sie nur dann lernen, sich zu engagieren, wenn sie Vorbilder haben. Weil niemand das so schön und engagiert macht wie du.

Und schon hast du wieder einen Job an der Backe. Und hinterher werden die, die sich gedrückt haben, wieder herummeckern und alles besser wissen. – Dabei hast du dir doch zu Haus geschworen, diesmal ganz standhaft zu bleiben. Dich nicht weichkochen zu lassen. Du hast es allen gesagt: „Ich nicht!“. Und doch bist du wieder dabei. In der ersten Reihe… Weiterlesen

Oster-Phönix

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Predigt zu 1. Korinther 15, 50-58

Ostermontag, 2. April 2018, Stadtkirche Böblingen

osterkerze

 

(Fawkes)

„Hätte mir gerade noch gefehlt, wenn Dumbledores Vogel stirbt, während ich allein mit ihm bin, dachte Harry gerade – als der Vogel in Flammen aufging. […] [F]ieberhaft schaute er sich um, ob es nicht irgendwo ein Glas Wasser gäbe, aber er sah keines; der Vogel war mittlerweile ein Feuerball geworden; er gab einen lauten Schrei von sich und schon war nichts mehr von ihm übrig als ein schwelender Haufen Asche auf dem Boden.

Die Bürotür ging auf und Dumbledore kam mit ernstem Gesichtsausdruck herein. »Professor«, keuchte Harry, »Ihr Vogel – ich konnte nichts machen – er hat einfach Feuer gefangen.« Zu Harrys Verblüffung lächelte Dumbledore. […] »Fawkes ist ein Phönix, Harry. Phönixe gehen in Flammen auf, wenn es an der Zeit für sie ist zu sterben, und werden aus der Asche neu geboren. Sieh mal …«

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Gott singt uns ein Lied

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Predigt zu Jesaja 5,1-7
Stadtkirche Böblingen, 25. Februar 2018, Reminiscere
(Im Gottesdienst feiern wir die Taufe eines kleinen Noah)

 I. Noah found grace in the eyes of the Lord

Erinnern Sie sich noch an Bruce Low?

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Dunkle Baßstimme, ganz leichter Akzent und Lieder, die ein bisschen nach Western und ein bisschen nach Gospel klangen. Ohrwürmer, die man nicht mehr aus dem Kopf bekam. Und manchmal brauchte es nur ein Wort, um sie wieder anzutriggern.

Noah zum Beispiel. Der Stammvater Israels, der mit der Flut. Über den hat Bruce Low auch gesungen. Ein launiges Liedchen über eine grausige Geschichte, in flapsiger Sprache und mit einem eingängigen Refrain:

Der Herr sah hinab und sprach: „Es ist zu dumm!
Ich schuf die Menschen

doch ich weiß nicht mehr warum.
Seit dem ersten Tag gibt’s Kriege nur und Mord:
Ich schick‘ ein bißchen Wasser
und ich spül sie alle fort.“
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Gott sei stets in mir

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Musikalischer Gottesdienst
zur Erinnerung an die Übergabe der Confessio Augustana
anlässlich der Visitation durch Prälat Dr. Christian Rose

Sonntag, 25. Juni 2017 – Stadtkirche St. Dionysius Böblingen
(Liedblatt: CA-Gottesdienst mit Musik)

Predigttext: Nehemia 8 und Matthäus 5 in Auswahl

Fischer-Walter Vogel
„Friedensvogel“ von Claudia Fischer-Walter – Installation in der Stadtkirche im Sommer 2017

 

(Das Wort vor dem Tor)

Es ist nicht ganz einen Monat her, da machten sich hunderttausend Menschen oder mehr auf den langen und wegen der Hitze recht beschwerlichen Weg auf die Elbwiesen vor Wittenberg. Vor den Toren der Stadt feierten sie einen großen Gottesdienst zum Abschluss des Kirchentags, ein fröhliches Fest mit Musik, Gebet und einem Picknick, so wie die Leute in Israel im Anschluss an Esras Predigt – so wie die Menschen, die sich um Jesus versammelt hatten auf dem Berg in Galiläa, von wo aus er sie lehrte…

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Kirche in der Stadt

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Impuls zum Gemeindeforum am 31.03.2017
Stadtkirche Böblingen
Text: Gerlinde Feine – Orgel: Eckhart Böhm

3-
(c) Andreas Blauth

(Ferngerückt – unter dem Kruzifix)

Kirche in der Stadt.
Schon über 1000 Jahre. Nur am Ende des Tausendjährigen Reichs hatte sich‘s mal vorübergehend ausgepredigt.
Nach dem letzten Krieg haben sie die Steine hier oben neu sortiert:
Ein Schloss brauchten sie nicht mehr – lieber Bäume und Wind und einen Park zum Flanieren und Flirten.
Wohl aber brauchten sie ein Haus, an dem sie zusammenkommen konnten. Wo es Brot und Wein gab. Wo Kinder getauft und Tote betrauert wurden.

Kirche im Zentrum der Stadt.
Wahrzeichen. Viel fotografiert. Selten besucht.
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An Ostern flirrt die Luft!

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Predigt über Matthäus 28,1-10 am Ostersonntag 2017 in der Stadtkirche Böblingen

Der Predigttext ist zugleich Evangeliumslesung (in der Übersetzung der Basisbibel).
Vor der Predigt spielt Kantor Eckhart Böhm

Ch.M.Widor: Toccata F-Dur (5. Orgelsinfonie, Schlußsatz)*

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(Himmlische Unruhe)

Heute morgen flirrt die Luft.

So wie flinke Finger über die Tastatur laufen und die Akkorde wie kleine Staccatowellen in den Raum schicken. So flimmerts und flirrts und surrts und schwirrts…

Du kannst es richtig kribbeln spüren. Diese produktive Unruhe, dieses Flimmern in der Atmosphäre… Alles in Bewegung, aber nur ganz sacht, klein, mit bloßem Auge kaum zu erkennen, aber unwiderstehlich stark…

Hinter den Kulissen. Hinter dem heller werdenden Blau des Morgenhimmels, auf der Rückseite der Wolken, über der Atmosphäre. Da machen sie sich bereit für den großen Moment, nehmen ihre Plätze ein, drängeln sich nach vorn, dort, wo man die beste Sicht hat auf die Erde. Denn gleich passierts… Weiterlesen

Gib, was du brauchst

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Predigt über Markus 12,37kupfermuenzen-angelaufen-44 am 19.3.2017 – Stadtkirche Böblingen

Am Ausgang

„Der Eintritt ist frei. Um eine Spende am Ausgang wird gebeten.“ – Und dann stehen da, nach der Veranstaltung, dem Konzert, dem Gottesdienst…., Menschen mit Körbchen in der Hand an jeder Tür, und man kommt nicht hinaus, ohne auch an ihnen vorbeizugehen. Man kann sie nicht ignorieren. Und guckt natürlich, wie viel schon drinliegt.

Ist ja auch eine Richtschnur.

Hmmm. Lauter Scheine. Da sind die 2 Euro aus meinem Münzfach zu wenig. Aber den Fünfziger kann ich nicht opfern. Der muss noch bis Mittwoch reichen. Darf man eigentlich wechseln in solchen Körbchen, kniggetechnisch? Darf man sagen: „Heute nicht“? Wenn wir zu zweit sind, dann sagen wir das – „das ist jetzt von uns beiden“. Wenn ich kein Geld dabei habe, druckse ich herum. Und manchmal bin ich schon wieder zurückgekommen, habe noch gebracht, was ich im Auto hatte oder im Büro. Denn so ein Körbchen ist ziemlich öffentlich. Alle können sehen, ob ich großzügig bin. Oder knapp bei Kasse.

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